WISSENSCHAFT
IM DRUCK
Miscellanea Curiosa —
Die älteste medizinisch-naturwissenschaftliche Zeitschrift der Welt
WISSENSCHAFT
IM DRUCK
Miscellanea Curiosa —
Die älteste medizinisch-naturwissenschaftliche
Zeitschrift der Welt
Die 1652 gegründete Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende Wissenschaftsakademie der Welt. Eines der Hauptziele bei der Gründung war die Professionalisierung der Naturforschung in Verbindung mit einer neuen Form von (Wissenschafts-)Kommunikation, die nicht auf die lokale Ebene beschränkt sein konnte, sondern auf Internationalität ausgelegt war.
Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war es üblich, dass wissenschaftliche Erkenntnisse durch private Gelehrtenbriefwechsel, gedruckte Monografien oder persönliche Gespräche ausgetauscht bzw. vermittelt wurden. Diese Praktiken waren durch ihre begrenzte Reichweite und geringe Aktualität offensichtlich defizitär.
Eine herausragende Innovation war die im Jahr 1670 erstmals veröffentlichte Zeitschrift der Leopoldina (Miscellanea Curiosa). Sie vereinte erstmals die Kernelemente, die auch heute noch wissenschaftliche Zeitschriften charakterisieren und ist somit der Urahn heutiger wissenschaftlicher Zeitschriften wie Nature oder Science.
ZUR ZEITSCHRIFT
Innovative
Wissenschaftskommunikation
Die 1670 publizierte Zeitschrift vereinte erstmals eine Reihe von Merkmalen, die bis heute wissenschaftliche Zeitschriften kennzeichnen.
Besonders hervorgehoben werden kann dabei die Herausgabe durch eine Institution, mit dem Ziel Verbreitung, Kontinuität und Langfristigkeit zu gewährleisten und die Fokussierung auf ein wissenschaftliches Spezialgebiet, hier auf medizinisch-naturwissenschaftliche Fachbeiträge.
Darüber hinaus war es das erklärte Ziel eine Qualitätssicherung durch Begutachtung der Beiträge durch Fachkollegen sicherzustellen. Man verwendete eine in der gesamten Gelehrtenrepublik verstandenen Sprache (hier Latein) und öffnete die Mitarbeit an der Zeitschrift für (internationale) Wissenschaftler auch jenseits der Akademie-Mitgliedschaft.
ZUR ZEITSCHRIFT
Anerkennung und Privilegierung
Die Zeitschrift war auch der entscheidende Ansatzpunkt für einen langfristigen Kontakt zum Kaiserhof. Kaiser Leopold I. (1640–1705) verfolgte interessiert die Arbeiten und Ergebnisse der Akademie. Ausdruck der Würdigung und Unterstützung sind die beiden Urkunden Leopolds I. aus den Jahren 1677 und 1687, mit denen der Akademie besondere Vorrechte u.a. die für das wissenschaftliche Publizieren konstitutive Zensurfreiheit und die Verwendung des Namens „Leopoldina" verbunden waren. Dies ist aber nicht gleichzusetzen mit einer Ernennung zur „Reichsakademie", sondern war als Ehrentitel gedacht. Ebenfalls für die weitere Entwicklung von herausragender Bedeutung war die Garantie der Unabhängigkeit der Akademie.
Kaiser Leopold I.
Leopoldina-Archiv, M3-01.
ZUR ZEITSCHRIFT
Thematische Fokussierung
In bewusster und expliziter Abgrenzung von den etwa zeitgleich entstehenden Zeitschriftenprojekten in Frankreich und England sahen die Gründer der Miscellanea curiosa eine deutliche thematische Fokussierung vor: ausschließlich aus dem Bereich der Medizin und deren ‚Kindern und Verwandten' – darunter etwa Botanik und Chemie – sollten die Inhalte gegriffen sein. Zudem sollten den Kern der Zeitschrift – ebenfalls anders als bei den zeitgleichen Unternehmungen – nicht etwa Rezensionen oder abgedruckte Briefe bilden, sondern die als Observationes (dt.: Beobachtungen) bezeichneten vergleichsweise kurzen und monothematischen Berichte über wissenschaftliche Arbeiten, Befunde und Erkenntnisse. Dieses Konzept erweist sich bereits im ersten Band, in dem die über 160 Observationes zur Medizin und Botanik einen klaren Schwerpunkt bilden, als mustergültig umgesetzt. Mit den Miscellanea wurde damit die erste (medizinisch-naturwissenschaftliche) Fachzeitschrift ins Leben gerufen.
ZUR ZEITSCHRIFT
Wissenschaftliche Abbildungen
Wie noch heute in naturwissenschaftlichen und medizinischen Fachzeitschriften, so spielten auch schon für die Beiträge in den Miscellanea curiosa Abbildungen eine entscheidende Rolle für die Vermittlung und die Nachvollziehbarkeit der dargestellten Inhalte. Obschon das Hauptgewicht auf der verbalen Darstellung in den einzelnen Observationes liegt, sind mehreren Texten auch Stiche beigegeben, die nicht etwa Schmuckelemente sind oder durch phantasievoll-künstlerische Darstellung für sich einnehmen, sondern den Leser durch ihre Exaktheit gleichsam zum Mitbeobachter und Zeugen der beschriebenen Naturphänomene werden lassen und damit noch heute beeindrucken.
Abb. 1:
Observatio XVIII
Wilhelm Riva (Aderkropf)
Abb. 2:
Observatio XC
Philipp Jakob Sachs von Löwenheim
(Schlesischer Aloe)
Abb. 3:
Observatio CXXVI
Matthias Franz Hertodt
(Verstopfung des Leibes)
EINBLICKE
Werfen Sie einen Blick in die erste Ausgabe
der Miscellanea Curiosa
mit deutscher Übersetzung
Observatio XIII (13)
Seiten: 40 – 58
Messis Observationum Microscopicarum
a Variis Authoribus Collectarum
D. Philippi Jacobi Sachs a Lewenheimb
Observatio CXXVI (126)
Seiten: 320 – 322
lvi Difficultatis Nova Causa
D. Matth. Franc. Hertodi
Observatio CLIII (153)
Seiten: 371 – 372
Tabacum Japonicum
D. Georg. Hieronymi Velschii
D. Georgii Segeri
ÜBER DEN
SEITENRAND
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Die Bände der Miscellanea curiosa waren zum Zeitpunkt ihrer Publikation sowohl ein wichtiges Medium für die Vermittlung aktueller Erkenntnisse wie auch ein Wissensspeicher, der ihnen Persistenz verlieh. Heute ergibt sich genau daraus ihr herausragender Wert als Quelle für wissenschaftshistorische Fragestellungen. Als solche wurden sie für den Zeitraum von 1670 bis 1791 im einem DFG-geförderten Kooperationsprojekt zwischen der Leopoldina und der ThULB Jena auf der Ebene der einzelnen Observationes erschlossen und die Digitalisate der Bände auf einer Oberfläche zusammengestellt:
https://leopoldina.projekte.thulb.uni-jena.de
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Aus über 370 Jahren Akademiegeschichte lassen sich verschiedenste Geschichten erzählen. Eine Auswahl solcher Geschichten, die jeweils von einem Objekt aus Archiv und Bibliothek der Leopoldina ihren Ausgang nehmen und daran anknüpfend die Brücke in die Gegenwart schlagen, stellt Dr. Danny Weber in mehreren Folgen des Podcasts „1652 – Ein Podcast der Leopoldina" vor. Nicht fehlen darf dabei natürlich die Geschichte der Miscellanea curiosa. Ihr und dem Blick auf die Entwicklungen des wissenschaftlichen Publizierens, den sie ermöglicht, widmet sich eine eigene Podcast-Folge:
https://www.leopoldina.org/newsroom/nachrichten/detail/
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